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| Zeichnungen bei Instagram seit 2018 |
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Der Wechsel zu Instagram war keine überzeugende Lösung aber die naheliegende. Der erste Post: Januar 2018. Eine hochformatige Zeichnung, die, zu meiner Überraschung, auf ein Quadrat beschnitten wurde. Ein Like.
Instagram erzwingt (damals zumindest noch) das Quadrat. Die Kompensationsstrategie heißt Letterboxing: vor dem Hochladen wird die Zeichnung selbstlinks und rechts mit einer neutralen Zusatzfläche versehen, damit das Originalformat dann in der Darstellung bei Instgram erhalten bleibt.
Das funktioniert kostet aber extra Aufwand für jede einzelne Zeichnung.
Und Instagram gehört zu Facebook. Das war bekannt und ist kein Argument für die Plattform. Die Interaktion blieb gering. Das ich auf Stories, DMs, Reels keine Lust hatte, hat bestimmt auch nicht geholfen und so haben über 2000 Posts keine 500 Follower generiert.
Das liegt auch daran, dass mein Konto seit über einem Jahr (Stand Mai 2026) stagniert: es kommen keine neuen Follower hinzu, weil meine Sichtbarkeit durch eine Community-Meldung, die einen Shadowban auslöste, deutlich eingeschränkt wurde: ich verst0ße gegen die Regeln; wie genau wurde mir nicht mitgeteilt. Ich bekam nur die Nachricht, dass es eine Meldung vorläge und deshalb... Und wenn ich noch heftiger gegen die Regeln verst0ßen hätte, wäre mein Account gelöscht worden.
Eventuell war meine wiederholte Nutzung identischer Hashtags bestraft... das wäre möglich, weil ich naheliegender Weise beim Posten meiner Zeichnungen ich poste eigentlich nur Zeichnungen immer die gleichen Hashtags benutzt hatte: #zeichnung #drawing #notation #visuellwriting
(Dass das zu Problemen führen könnte, das wußte ich nicht. Woher auch?} Eventuell galten aber auch einige meiner Zeichnungen als pornografisch?
Das fühlt sich alles unangenehm willkürlich an:
Jemand musste [Hannes] K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines [Tages von Instagram mit einem Shadowban unsichtbar gemacht.]
Noch ein Fall von technischer Willkür:
das Foto rechts habe ich bei Instagram gepostet, als, aus welchen Gründen auch immer, mir auf dem Smartphone, auf dem ich Instagram nicht als App instaliert habe, eine Followerzahl von 511 angezeigt wurde während zeitgleich (!) auf meinem iPad, wo die App installiert ist schließlich muss ich ja irgendwie die Zeichnungen hochladen mir 475 Follwer angezeigt wurden.
Ich hatte siehe Foto rechts nach 1999 Beiträgen [nach den Angaben auf meinem iPad] am 14. September 2025 475 Follover und jetzt nach 2134 Beiträgen [Stand 12. Mai 2026] sind es 477 Follower.
Meine Erfahrungen mit Instagram sind ein weiterer Beleg dafür, dass es problematisch ist, auf fremden Servern seine eigenen Sachen sichtbar machen zu wollen.
Was auf der eigenen Website gebaut ist, bleibt, bleibt so, wie man es umgesetzt hat. Und es verbleibt auch unter eigenen Kontrolle.
Was auf fremden Plattformen liegt, ist rechtetechnisch weggegeben (vereinfacht formuliert) und wird nach den Regeln der Konzerne verwaltet, die diese Regeln auch jederzeit ändern können. Auch rückwirkend, was etwa den Umgang mit den Archiven betrifft.
Daszu kommt noch der Aspekt des Datenabschnorchelns und dass die Firmen mit fremden Kontent reich und reicher werden. Und nebenbei dann auch noch unsere Gesellschaften regelrecht zersetzen und falls das wirklich nur aus einem irren Gewinnstreben heraus geschehen sollte, macht es das auch nicht besser. Im Gegenteil.
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Alternativen zu Instagram und Co.
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Stand: Mai 2026 |
Tumblr, Instagram, TikTok, YouTube alle diese Plattformen haben eine gemeinsame Grundstruktur: sie sind zentral gesteuert, für die Nutzenden intransparent, und ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Aufmerksamkeit zu verkaufen. Wer nutzt, wird beobachtet. Wer beobachtet wird, wird berechenbar. Und Berechenbarkeit ist das Produkt, das an Werbekunden verkauft wird. Das ist kein Zufall und kein Missbrauch es ist das Modell.
Dabei existieren die technischen Alternativen schon lange. Napster (1999) war der erste große Beweis, dass dezentrales Teilen funktioniert: Millionen von Menschen tauschten Musikdateien direkt miteinander aus, ohne zentralen Server, ohne Gatekeeper, ohne dass jemand daran verdiente. Die Musikindustrie hat es juristisch zertrümmert. Was blieb, war die Erkenntnis: das Netz könnte strukturell anders funktionieren als ein Kaufhaus. The Pirate Bay (2003) hat das radikalisiert nicht nur Musik, sondern alles. Und anders als Napster bis heute nicht vollständig verschwunden, weil ein wirklich dezentrales System schwer zu töten ist: es hat keinen Kopf, dem man abschlagen kann. Der Dokumentarfilm TPB AFK: The Pirate Bay Away from Keyboard (Simon Klose, 2013) hat die Geschichte der drei Gründer und ihren Prozess festgehalten und wurde zur Ironie seiner selbst: er lief auf der Berlinale, war gleichzeitig kostenlos auf The Pirate Bay verfügbar, und Hollywood versuchte vergeblich, ihn aus den Suchergebnissen zu löschen.
Das heutige technische Gegenmodell heißt Fediverse ein Kofferwort aus federation und universe. Es bezeichnet einen Zusammenschluss voneinander unabhängiger sozialer Netzwerke mit gemeinsamen Schnittstellen: jeder kann einen Server betreiben, alle Server können miteinander kommunizieren, niemand kontrolliert das Ganze. Das technische Fundament ist ActivityPub ein offenes Protokoll, ähnlich wie E-Mail. Man kann von jedem Anbieter jeden anderen erreichen. Die wichtigsten Plattformen: Mastodon als Twitter-Alternative, Pixelfed als Instagram-Alternative chronologischer Feed, keine Werbung, open-source , PeerTube als YouTube-Alternative, WriteFreely für Langformtexte ohne Engagement-Druck. All das existiert, funktioniert, und ist kostenlos nutzbar.
Die theoretische Debatte darüber, warum es trotzdem nicht den Durchbruch schafft, hat drei gut unterscheidbare Positionen. Shoshana Zuboff hat mit ihrem Begriff des Überwachungskapitalismus den präzisesten Rahmen geliefert: die großen Plattformen sammeln nicht nur Daten, sie verkaufen Vorhersagen über menschliches Verhalten. Menschliche Erfahrung wird zum Rohstoff. Zuboffs Lösung ist reformistisch neue Gesetze, neue Rechte aber sie belässt die bestehenden Strukturen. Cory Doctorow widerspricht: das Problem ist nicht die Überwachung, sondern das Monopol. Wer groß genug ist, kann überwachen nicht umgekehrt. Seine Lösung: Interoperabilität gesetzlich erzwingen, so wie beim Telefon man muss von jedem Anbieter jeden anderen |
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anrufen können, egal bei welchem Netz man ist. Evgeny Morozov geht weiter: technische Dezentralisierung löst nichts, solange die Eigentumsstrukturen dieselben bleiben. Das Fediverse ist ein nettes Projekt aber es berührt das Grundproblem nicht.
Das Grundproblem ist kein technisches. Es ist eine Frage der Masse und des Geldes. Alle sind auf Instagram, also geht man auf Instagram. Wer wechselt, verlässt sein Publikum. Und jemand muss die Server bezahlen das Fediverse lebt von Ehrenamtlichen, Spenden, kleinen Institutionen. Das ist strukturell fragil. Sobald eine Plattform wächst, kommen dieselben Fragen zurück: wer finanziert das, und wessen Interessen setzt das Geld durch?
Dabei ist die Ausgangslage eigentlich klar und sie hat eine Vorgeschichte. In Deutschland hat die staatliche Post Jahrzehnte lang genau das gewährleistet, was heute fehlt: Kommunikation ohne persönliche Bereicherung Dritter. Briefe wurden befördert, Telefonate vermittelt zu regulierten Preisen, unter staatlicher Aufsicht, ohne dass Privatleute oder Unternehmen an jedem Gespräch mitverdient hätten. Das Briefgeheimnis war ein Grundrecht. Die Post war kein Markt, sondern ein öffentlicher Dienst.
Das Netz ist heute die Post des 21. Jahrhunderts. Breitbandleitungen, Unterseekabel, Mobilfunknetze alles gebaut mit öffentlichen Mitteln, konzessioniert durch den Staat, getragen von Nutzerinnen und Nutzern als Bürgerinnen und Bürgern. Und trotzdem dürfen Privatunternehmen die Nutzung dieser Infrastruktur abschöpfen, Daten sammeln, Aufmerksamkeit verkaufen und dabei reich werden an etwas, das allen gehört. Das Bürgerrecht auf Kommunikation wird zur Ware.
Was fehlt, ist kein technisches Werkzeug, sondern ein politischer Wille. Bevölkerungen könnten von Gesetzgebern einfordern, was früher selbstverständlich war: dass öffentliche Infrastruktur öffentlich bleibt. Dass Kommunikation kein Produkt ist. Dass das Recht auf Sichtbarkeit nicht erkauft werden muss. Und dass dort, wo alle kommunizieren auf Plattformen, die wie öffentliche Plätze funktionieren , dieselben Regeln gelten wie für Bürgersteige und Straßen: niemand darf sie privatisieren und Eintritt verlangen.
Anmerkungen
Film: TPB AFK: The Pirate Bay Away from Keyboard, Simon Klose, 2013. Kostenlos verfügbar auf YouTube. Auch als Serie: The Pirate Bay, Schweden/Norwegen 2024.
Literatur: Shoshana Zuboff: Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus (2018). Cory Doctorow: How to Destroy Surveillance Capitalism (2021, auch online kostenlos). Evgeny Morozov: Capitalism's New Clothes, The Baffler 2019 (online frei zugänglich). Zur Geschichte des Fediverse: das Wikipedia-Artikel Fediverse ist tatsächlich gut und gut belegt.
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